Wer mit dem Gedanken spielt sich ein Network-attached storage (NAS) zuzulegen und hierfür einige Einsatzzwecke im Alltag hat, der wird auf der Suche wohl sicher über Hersteller wie Synology oder WD gestoßen sein. Schnell wird klar, dass dies kein günstiger Spaß wird..Erst recht wenn das Ganze keine Spielerei sein soll. Benötigt man etwas mehr Speicher und möchte leistungsmäßig keine Krücke – schließlich soll der Transfer eines Bildes nicht Minuten in Anspruch nehmen – dann ist man bei Fertig Systemen schnell bei mindestens 400€ mit dabei.

Was ist überhaupt ein NAS?

Kurz gesagt ein Dateiserver, der in einem Netzwerk Speicherplatz zu Verfügung stellt und von allen Geräten in diesem Netzwerk – wie Smartphone, SmartTV oder natürlich PC – erreicht werden kann. Sinn macht das Ganze natürlich vor allem wenn man auf die gleichen Dateien von unterschiedlichen Geräten zugreifen möchte. Dieser Speicher kann zudem für Backups dienen oder Musik bzw. Filme an Fernseher streamen. Die Möglichkeiten gehen aber noch sehr viel weiter.

Selbstbau-NAS

Warum überhaupt ein NAS selbst bauen?

Vorteile
  • Sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis
  • aktuelle Hardware und somit geringer Stromverbrauch bei hoher Leistung
  • Perfekt auf die eigenen Anwendungen und Wünsche anpassbar und jederzeit erweiterbar
Nachteile
  • Zusammenbau und Einrichtung benötigt Zeit
  • kein Hot-Swapping der Festplatten
  • Meistens Je nach Gehäuse und Hardware größer als Fertig-NAS Systeme

Wer also gerne bastelt und die Geduld zur Einrichtung der Software hat, für den spricht gegen ein Selbstbau NAS nichts dagegen. Gerade bei niedrigem Budget lohnt sich der Aufwand. Mit Selbstbau Systemen erreicht man das Leistungsniveau von 2-3 mal so teureren Fertig NAS Systemen.

Motivation genug?

Hardware

NAS

Ich stelle hier 3 Beispielkonfigurationen vor, die ganz gut für ein NAS geeignet sind. Natürlich könnt ihr auch andere Hardware nehmen und das ganze für euren Geschmack anpassen. Am günstigsten fahrt ihr mit einem Raspberry Pi, jedoch muss man hier auch große Abstriche in der Leistung machen. Für einen ernsten Einsatz würde ich daher mindestens die Einsteiger Konfiguration empfehlen, bei der ihr etwa um die 250€ für das Grundgerüst einplanen müsst. Großer Kostenfaktor sind hier vor allem die Festplatten aber auch beim Gehäuse kann man noch etwas einsparen, falls man hier nicht viel Wert aufs Äußere legt.

Worauf ist zu achten?

Gehäuse

Für die Gehäusewahl sind euch natürlich alle Optionen offen gehalten. Abhängig von eurem verwendeten Mainboard muss natürlich die Größe passen (Mini-ITX, mATX etc.). Ansonsten ist es noch wichtig, dass das Gehäuse auch ausreichend Festplatten Slots zu Verfügung stellt. 1 2,5″ Slot für die SSD des Betriebssystemes + 2 weitere 3,5″ Slots für eure Datenplatten halte ich ich für ein Minimum.

Empfehlenswerte Gehäuse:

Fractal Design Node 304 white

( 79,99 EUR )

Fractal Design Node 304 white

Cooler Master Silencio S400 PC-Gehäuse (M-ITX/M-ATX), Schwarz

( 79,87 EUR )

Cooler Master Silencio S400 PC-Gehäuse (M-ITX/M-ATX), Schwarz

Thermaltake Core V1 Cube Case schwarz Mini ITX

( 51,94 EUR )

Thermaltake Core V1 Cube Case schwarz Mini ITX
Mainboard + CPU

Prinzipiell eignen sich die System-on-Chip (SoC) Boards ganz gut für unseren Einsatz. Zum einen haben sie bereits einen Prozessor gleich mit an Board, sind sehr stromsparend und haben in der Regel auch alle wichtigen Anschlüsse in ausreichender Anzahl. Bei der Auswahl solltet ihr vor allem darauf achten mindestens 4 SATA Anschlüsse auf dem Board zu haben. Einer für die System SSD und der Rest für eure Speicherplatten. Möchtet ihr mehr Leistung oder habt noch alte PC Hardware zu Hause könnt ihr diese natürlich genauso gut verwenden. Generell ist jede Mainboard-CPU Kombination möglich.

Man sollte hier aber den Stromverbrauch nicht außer Acht lassen. Ein Wert zur ungefähren Verbrauchseinschätzung ist die Thermal Design Power (TDP). Der TDP Wert gibt die untere Grenze der Leistungsaufnahme einer CPU bei Basistakt an. Heißt in Realität kann der Stromverbrauch auch ganz anders aussehen, besonders wenn die CPU einen Turbo Modus besitzt und bei Volllast auf einen höheren Takt schaltet – und somit auch deutlich mehr Strom verbraucht.

Festplatten

Generell habe ich gute Erfahrungen mit den WD Red NAS Festplatten gemacht, welche ich auch empfehle. Alternativ eignen sich auch die Seagate IronWolf NAS Festplatten sehr gut, mit denen ich jedoch bisher keine persönlichen Erfahrungen habe. Spart hier nicht am falschen Ende. Für den Anfang funktionieren zwar auch normale Festplatten, falls ihr noch welche übrig habt, jedoch sind diese für einen Dauerbetrieb nicht ausgelegt und haben eine deutlich höhere Ausfallwahrscheinlichkeit. Wichtige Daten würde ich so oder so auf 2 Platten spiegeln, damit ein Defekt einer Festplatte nicht gleich eure ganzen Daten zu nichte macht. Bei sehr wichtigen Daten ist zudem ein zusätzliches Offline Backup empfehlenswert. So könnt ihr z.B. 1x im Monat ein komplettes Backup eures NAS auf eine externe Festplatte erstellen.

Es gibt auch bereits einige NAS SSDs, welche natürlich viel höhere Lese- und Schreibraten aufweisen. Preislich lohnt sich das für den Privatgebrauch aber nicht, da man durch eine 1 Gbit Netzwerkverbindung schon einen Flaschenhals hat und maximal 125 MB/s übertragen kann. Wer aber häufig viele kleine Dateien überträgt kann hier etwas höhere Übertragungsraten mit SSDs erzielen.

WD Red 2TB 3.5 Zoll NAS Interne Festplattee - 5400 RPM Class, SATA 6 Gb/s, CMR, 64MB Cache -... 90,64 EUR
Seagate IronWolf 4 TB HDD, NAS interne Festplatte (8,9 cm (3,5 Zoll), 5900 U/Min, CMR, 64 MB Cache,... 115,23 EUR

Beispiel-Konfigurationen

Raspberry Pi – kompaktes Raspi NAS zum Schnäppchenpreis (ab 80€)
Raspberry Pi

Den Raspberry Pi in ein NAS zu verwandeln ist nichts neues. Ich wollte eigentlich auch lange schon mir dieses Projekt vornehmen und einen Beitrag schreiben aber nach vielen Tests habe ich es aus einem Grund sein lassen – der Geschwindigkeit. Der Raspberry Pi ist natürlich ein flotter Minirechner aber ist leistungsmäßig auch keine Granate, wenn es mal zu anspruchsvolleren Anwendungen kommt. Besonders der Netzwerkanschluss war Jahre lang ein riesen Flaschenhals. Mit dem Raspberry Pi 3B+ wurde dieser ja endlich von 100 Mbit auf einen Gbit Port geupdatet – mit der Bandbreite hatte man jedoch keinen großen Zugewinn, da weiterhin alles über den USB 2.0 Controller lief. In der Praxis waren die Geschwindigkeiten für mich nicht alltagstauglich und Übertragungen haben relativ lange gedauert.

Mit dem Raspberry Pi 4 gab es 2 langersehnte und effektive Updates. USB 3.0 mit Gbit Ethernet und bis zu 4 GB RAM!

Angebot
Raspberry Pi 4 Modell B; 4 GB, ARM-Cortex-A72 4 x, 1,50 GHz, 4 GB RAM, WLAN-ac, Bluetooth 5,...
  • Broadcom BCM2711, Quad-Core-Cortex-A72 (ARM Version 8),...
  • True-Gigabit-Ethernet; 2 x USB-3. 0-Ports; 2 x USB-2....
  • Vollständig abwärtskompatibler 40-poliger GPIO-Header; 2 x...

Die technischen Daten lesen sich nicht nur erfreulich sondern führen endlich dazu, dass sich der Raspberry Pi auch endlich zu einen brauchbaren Mini-NAS einsetzen lässt. Ich habe ihn für kleinere Anwendungen seit Wochen im Einsatz und die Geschwindigkeit kann sich sehen lassen. Wer nur mal Bilder vom Handy synchronisieren will, über Nacht kleinere Backups erstellen oder ab und zu einen Film oder Musik streamen möchte, für den reicht der Raspberry Pi 4 hier aus. (empfehlenswert ist aber die 4GB Variante).


Einsteiger NAS für den schmalen Geldbeutel (ab 200€)

Klein, günstig und sparsam. Das Selbstbau NAS auf Basis des J3455 Mini ITX Board bietet genug Leistung für den Normalanwender und ist nicht nur günstig sondern auch kompakt und genügsam im Stromverbrauch. Zwar ist der J3455 schon ein bisschen älter, bietet aber alles was wir für unser Projekt brauchen – genug Leistung und sparsamer Verbrauch für wenig Geld.

Als Vergleich liegt die Zusammenstellung mit 4GB RAM und 2 TB Speicher bei ca. 290€ wohingegen z.B. das Synology DS2018 2TB bei aktuell 430€ liegt und leistungsmäßig sich sogar noch unter dem Selbstbau-NAS befindet und mit nur 2GB RAM ausgerüstet ist. Vergleichbar ist unserer Hardware Zusammenstellung des Einsteiger NAS mit dem Synology DS918+ (~530€ ohne Festplatten) welches übrigens auch mit dem Intel J3455 Prozessor läuft. Ihr erhaltet also gleiche Leistung für weniger als den halben Preis.

Synology DS918+ 4 Bay Desktop NAS Gehäuse Synology DS918+ 4 Bay Desktop NAS Gehäuse
Einkaufsliste
Asrock J3455-ITX Hauptplatine schwarz/grau/braun/rot
  • Prozessor Intel Celeron J3455 / 1.5 GHz (Quad-Core)...
  • Unterstütztes RAM 2 DIMM-Steckplätze - DDR3, DDR3L ,...
  • USB-/FireWire-Anschlüsse 2 x USB 3.0 + 2 x USB 2.0 + (2 x...
Asrock J3455-ITX (Mainboard + Prozessor)80€
4GB Crucial / 8 GB Corsair DDR3 SO-Dimm RAM20 / 32€
120 GB SATA SSD (OS)20€
be quiet! 400W Netzteil40€
WD RED 2TB / WD RED 4TB NAS Festplatte80 – 120€
Thermaltake Core V1 Gehäuse
Fractal Design Node 304 Gehäuse
40€
90€
Gesamtkosten für Gehäuse (ohne Speicher) ab200€

Fortgeschritten – Der preiswerte Alleskönner (ab 270€)

Das J5005 Board bietet mit 8GB DDR4 RAM eine solide und aktuellere Hardware Basis für ein leistungsstarkes NAS, welches jedem Alltags-Einsatz gewachsen ist. Rund 315€ kostet es aktuell ohne Festplatten, was sich vielleicht erst mal viel anhört – Leistungsmäßig befindet ihr euch mit dieser Konstellation über dem potenten Synology DS918+, bei dem ihr für das reine NAS Gehäuse schon 570€ auf den Tisch blättern müsst.

Einkaufsliste
Angebot
ASRock J5005-ITX MB Intel Gemini Lake
  • ASRock Super Alloy, Intel Quad-Core Pentium Prozessor J5005...
  • Unterstützt DDR4 2133/2400 SO-DIMM
  • 1 PCIe 2. 0 X1, 1 M. 2 (Schlüssel E)
ASRock J5005-ITX125€
120 GB SATA SSD (OS)25€
8GB DDR4 SO-DIMM RAM Corsair32€
Netzteil be quiet! 400W40€
WD RED 4TB NAS Festplatte120€
Thermaltake Core V1
Cooler Master Silencio S400
Fractal Design Node 304
40-90€
Gesamtkosten für Gehäuse (ohne Speicher) ab270€

Teil 2 der Artikelserie: NAS Betriebssysteme (in Bearbeitung)

Letzte Aktualisierung am 5.08.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

1 Comment

  1. Michael Schlegel Juli 13, 2020 at 9:25 pm

    Bisher sehr interessant.
    Ich betreibe hier Debian Linux, Win 10 und Android plus Wlan Smart TV. Mac könnte noch folgen.
    Werde das NAS gerne noch dieses Jahr bauen.
    Es soll meine System Partitionen spiegeln und Sichern. Außerdem möchte ich noch gern Filme über die Fritzbox per Wlan schauen.
    Also hier läuft alles Wlan Netz. Das NAS soll dann mittels LAN und Fritzbox eingebunden werden.
    Soweit die Theorie. Freue mich auf Fortführung des Projekts.

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