Fitnesstracker aus China – YAMAY HR & HR 4 im Test

Fitnessarmbänder die verschiedene Aktivitäten tracken und Funktionen wie Herzfrequenzmessungen oder Schrittzähler mit sich bringen, haben stark an Beliebheit gewonnen. Fitnesstracker von bekannten Marken wie Samsung, TomTom oder Jawbone sind preislich aber nicht sehr günstig und kommen für die meisten nicht in Frage. Auch hier gibt es aber günstige NoName Alternativen aus China, die von den Funktionen meistens dasselbe bieten und optisch auch schick aussehen, dabei aber nur ein Drittel bis einen Fünftel der Marken Produkte kosten.

Ich habe in den letzten Wochen 2 Fitnessarmbänder von YAMAY testen können. Das YAMAY HR und HR4 Fitnessarmband sind preislich in etwa gleich angesiedelt und bieten dieselben Funktionen. Äußerlich unterscheiden sie sich nur gering.

Wie sie sich geschlagen haben und ob sie ein guter Ersatz zu Markenprodukten sind, könnt ihr in meinem Test lesen…

 

YAMAY HR

Grundfunktionen und Design:

Der YAMAY HR Fitnesstracker ist optisch schlicht und lässt sich mit einem Knopfarmband in 8 Größenstufen am Arm befestigen. Er besitzt einen Touch Knopf an der Unterseite des Displays und einen mechanischen Druckknopf an der Seite. Mit dem einmaligen Drücken des seitlichen Druckkknopfes kann man das Display aktivieren und dann beliebig mit beiden Tasten durch die verschiedenen Modi wechseln.

  1. Zeitmodus mit Datum und Batteriestatus – 2. Herzfrequensanzeige – 3. Schrittzähler – 4. Distanzmodus mit zurückgelegter Strecke – 5. Kalorienmodus – ( zusätzlich in der App aktivierbar – 6. Alarm/Wecker Modus – 7. Telefonsuche )

Drückt man den seitlichen Druckknopf 2-3 Sekunden aktiviert sich der Trainingsmodus. Doppelklick startet die Messung von vorne. Drückt man den Druckknopf wieder 2-3 Sekunden lang, kommt man wieder aus dem Trainingmodus hinaus.

Das Display lässt sich auch in der Sonne noch gerade so ablesen. Im Schatten oder im Haus ist es sehr hell und lässt sich sehr gut ablesen.

Aufladen lässt sich das Armband mit dem beigelegtem USB Ladekabel, welches man an der Unterseite des Armbandes anclipsen kann.

Die App:

Die App spielt beim Tracking, Aufzeichnen und Synchronisieren eine wichtige Rolle und ist bei China Fitnessarmbändern leider oft der Wehrmutstropfen, weil sie schlecht übersetzt sind und viele Fehler beinhalten. Bei dem YAMAY HR kommt die App Veryfit 2.0 in den Einsatz, welche mich wirklich positiv überrascht hat. Sie ist vom Design her ansprechend und übersichtlich aufgebaut und gut ins Deutsche übersetzt. Das Pairing mit dem Armband hat sofort ohne Probleme funktioniert. In den letzten Wochen gab es mit der App bei mir eigentlich nie ein Problem und ich habe keine Funktion vermisst. Leider fordert jede Fitnesstracking App immer Unmengen an Berechtigungen an, was nicht jedem gefallen wird. Ich habe daher sofort alle Berechtigungen, die ich nicht brauche und möchte, deaktiviert und auch den Internet Zugriff für die App deaktiviert. Möchte man mit dem Armband Fotos auf dem Handy schießen oder Gespräche annehmen, benötigt sie dementsprechend die Berechtigungen. Zum Thema Akkuverbrauch geht sie vergleichsweise schonend um und lag am Ende immer mit 3-6% da ( unter Facebook..). Ansonsten bin ich bisher ziemlich zufrieden mit Veryfit.

 

Die Tracking Funktionen:

Ich hatte mittlerweile schon das ein oder andere billige Trackingarmband, was jedoch sofort in der Tonne gelandet ist, weil entweder die App total nutzlos war oder die Messungen kompletten Unsinn ergeben haben. Die Messungen habe ich mit der TomTom GPS Sportuhr verglichen, welche ca. das dreifache kostet.

Pulsmessung:

Der Puls hat mit +/- 5  übereingestimmt mit der TomTom auch wenn die Anzeige immer ein bisschen verzögert kam. Man sollte die Pulsangabe aber nur als Schätzung betrachten. Im Vergleich mit einem medizinischen Oberarm Messgerät, gab es hier Unterschiede von bis zu 15 Schlägen/min.

Schrittzähler:

Auch der Schrittzähler hat mich überrascht und funktioniert für Schätzwerte über den Tag hinweg wirklich gut. Habe hier bei Strecken immer mal wieder mitgezählt und bin auf sehr ähnliche Ergebnisse gekommen. Viele Schrittzähler haben mir zum Beispiel im Auto oder beim Kochen dann schnell mal hundert bis tausend Schritte dazugezählt. Auch hier kam es zu Fehlerkennungen, diese fielen aber recht gering aus und waren dann über den Tag hinweg vernachlässigbar.

Distanz und Kalorienmessung:

Die Werte werden dementsprechend aus Puls und Aktivität berechnet. Dazu muss man aber seine richtigen Daten im Profil hinterlegen, wie Größe, Gewicht und Schrittlänge. Auch hier ist die Info ganz nett aber nicht genau.

 

Der Schlafmodus:

Das Armband erkennt zuverlässig und ziemlich genau die Schlafzeiten und das von alleine ohne, dass man einen Modus starten muss. Dies funktionierte bei mir immer einwandfrei und die Uhrzeiten des Einschlafens und Aufwachens stimmten hier ebenfalls erstaunlicherweise ziemlich genau überein. Dafür hat das Armband Probleme bei der Erkennung von Mittagsschläfen oder kleinen Powernaps (unter 30-45 min) zwischendurch und hat diese bei mir irgendwie nie erkannt. Hat man eine Schlafphase mal gemessen und mit der App synchronisiert kann man hier die Zeit des Tiefschlafes, des leichten Schlafes und der Zeit in der man zwischendrin wach gewesen war, ablesen. Finde diese Anzeige wirklich interessiert und nützlich. Ich konnte hier auch Verbindungen feststellen, wenn ich mal nicht erholt geschlafen hatte, dann waren dementsprechend die Tiefschlafzeiten geringer und Wachzeiten höher wenn ich nachts mal aufgewacht bin und eher geschlummert als geschlafen habe.

 

Komfort:

Möchte man durchgehende Messungen von seinem ganzen Tagesablauf muss man natürlich auch das Armband immer anhaben. Daher spielt der Komfort auch eine wichtige Rolle. Das Armband hat mich beim Tragen nicht gestört und ließ sich angenehm tragen. Ich hatte auch keine Probleme mit dem Armband, was Hautirritationen o.ä. anging. Beim Sport empfand ich es aber als nicht sehr angenehm, da man unter dem Armband stark schwitzt. Dieses Problem wird man aber wohl bei jedem Fitnessarmband haben und ist wohl Gewöhnungs- und Geschmackssache von solchen Lifestyle Produkten.

Akkulaufzeit:

Kurz gesagt: ca. 6-8 Tage

 

Fazit:

Zuerst einmal.. was hat mich an dem Armband gestört?:

Das Display ist immer nur kurz an und lässt leider keinen Dauerbetrieb zu. Gerade beim Training wäre es zum Überprüfen der Herzfrequenz ganz nützlich gewesen. Die Messungen sind generell alle mit großer Varianz und Abweichungen versehen, was nichts ausmacht, wenn man nur grobe Schätzungen und Anzeigen der ganzen Aktivitäten erhalten möchte. Wie ernst zB. die Werte der Schlafmessungen mit Tiefschlafzeit oder der Kalorienverbrauch zu nehmen sind, lasse ich mal vorne weg..

Im Gesamten bin ich von dem Armband aber wirklich positiv überrascht und es lässt sich durchaus als funktionalen Fitnesstracker verwenden. Zu Jawbone konnte ich jetzt keinen großen Unterschied feststellen, bei Samsung und TomTom macht das ganze Produkte aber dann doch einen hochwertigeren Eindruck, mit gefühlt ein bisschen genaueren Messungen und besonders hat man hier nochmal eine stabile und funktionsreiche App mit dabei. Dafür zahlt man aber eben auch einen ordentlichen Aufpreis, der sich für viele vielleicht nicht lohnt. Wer also den Trend nur mal ausprobieren möchte oder sich auch hier und da mit ein bisschen weniger zufrieden gibt, der wird mit günstigeren Varianten wie der YAMAY HR auch seine Freude haben.

 


 

YAMAY HR4

Erster Eindruck und Grundfunktionen:

Der YAMAY HR4 Fitnesstracker gefällt mir vom optischen her besser wie der HR. Das Armband hat ein modernes Design mit einem schönen Muster. Befestigt wird er ganz normal mit einer Schnalle und lässt sich in kleinen Schritten an so gut wie jeden Handgelenkdurchmesser anpassen. Ganz praktisch: Zum Aufladen zieht man einfach die eine Seite des Armbandes ab und kann die Uhr direkt mit dem angebrachten USB Stecker am Computer oder mit einem Ladegerät aufladen. Es wird also kein zusätzliches Kabel benötigt.

 

Er besitzt lediglich einen Touch Key mit dem man alle Navigationen und Einstellungen vor nimmt. Bei einfachem Drücken navigiert man sich durch die Modi, Langes Drücken bestätigt bzw. wählt Funktionen aus.

Der Startbildschirm zeigt Uhrzeit,Datum und Akkuzustand an. Drückt man nun mit dem Touch Key sich durch, erhält man in dieser Reihenfolge die Funktionen – Schrittzähler – Fahrradmodus – Herzfrequenz. Ein langer Druck auf dem Startbildschirm bringt einen zum Menü, in dem man Schlafmodus aktivieren, Musik oder Kamera vom Handy steuern kann, das Handy durch einen Vibrationsalarm aufsuchen kann, wenn man es mal nicht finden und zu guter letzt den Fitnesstracker ausschalten. Die Steuerung ist hier etwas gewöhnungsbedürftig aber man kommt gut mit einem Knopf zurecht.

Erst einmal zu der App:

Als App kommt hier “Smart Wristband” in den Einsatz. Vom Design ist sie meiner Meinung nach übersichtlich aufgebaut und sieht nicht überladen aus. Leider läuft sie nicht immer einwandfrei und sie ist bei mir bisher zweimal abgestürzt. Auch das Synchronisieren funktioniert nicht immer problemlos.

Der Akkuverbrauch hält sich noch in Grenzen und nach einem Akkudurchgang hatte sie 4-6% verbraucht. Könnte also sparsamer sein.

Der Schrittzähler:

Ich habe bei bestimmten Strecken und immer mal zwischendurch meine Schritte mitgezählt um die Ergebnisse des Trackers zu überprüfen. Läuft man normal herum oder joggt, dann stimmen diese auch ungefähr und die Unterschiede lagen nur bei ungefähr 5% Toleranz. Leider fängt er zwischendrin Schritte ein, obwohl man nichts macht. So hat man nach der Autofahrt plötzlich mal 400-800 Schritte mehr auf der Uhr aber auch bei anderen Situationen. Das nervt natürlich und verfälscht das Ergebnis auf Dauer sehr stark.

Schlafmodus:

Den Schlafmodus muss man bei dem HR4 erst selbst aktivieren und sobald man wieder wach ist, deaktivieren. In dieser Zeit misst die Uhr dann Puls und Aktivität um auf die Schlaf-Effizienz zu schließen. Die Ergebnisse wirken irgendwie nicht so plausibel wie von anderen Trackern. Nachteil bei mir war außerdem, dass ich immer recht lange zum Einschlafen brauche. Wenn ich noch eine Stunde wach gelegen war, erkennt dies die Uhr nicht und hat es halt Leichtschlaf und zum Teil sogar Tiefschlaf gewertet..

Insgesamt hat mich der Modus nicht so überzeugt und schien sehr ungenau. Hingegen der automatischen Erkennung des YAMAY HR wirkte dies präziser. Besonders wenn man nicht innerhalb weniger Minuten einschläft waren die gemessenen Zeiten einfach falsch.

 

Herzfrequenzmessung:

Ich habe die Messungen mit dem YAMAY HR und einer TomTom Fitness Uhr verglichen. Es gab hier Unterschiede von bis zu +/- 10 Schlägen pro Minute. Besonders beim Sport und gefühlt einem deutlichen hohen Puls, hat die Uhr oft nur maximal 100-110 Schläge angezeigt. Möchte man aber nur Schätzungen reicht sie vollkommen aus und liegt auch immer bei ähnlichen Ergebnissen mit anderen Pulsuhren die dasselbe Messverfahren haben.

Ein Punkt hatte mich dann aber etwas verwundert. Wenn ich das Armband abnehme und auf den Tisch lege, misst das Gerät munter weiter und zeigt durchgehend einen auf und abschwankende Puls von 60-80. Das wirft Zweifel auf die Messung auf… Meine anderen Uhren, die ich noch im Test hatte wie die TomTom, erkennt wenn man die Uhr abnimmt und zeigt dann auch keinen Puls mehr an.

 

Tragekomfort:

Das Trackingband sitzt bei mir fest am Arm, jedoch hatte ich hier nie eine perfekte Einstellung am Armband. Im einen Loch saß sie sehr straff, im nächsten schon wieder zu locker. Beim Sport schwitzt man eben unter dem Armband stark, was manchmal nicht so angenehm ist. Nach längerem Tragen habe ich jedoch immer Hautreizungen ( Kribbeln und leichtes Jucken an der Stelle unter dem Armband) bekommen, weswegen ich vermute, dass ich das Armband nicht zu 100% vertrage. Besonders nach ein paar Stunden hatte ich immer das Bedürfnis das Armband wieder auszuziehen. Gerade wenn man es aber durchgängig am Arm hat, um auch lückenlose Trackingergebnisse zu erhalten, wäre es natürlich wünschenswert, wenn das Material sehr hautverträglich ist.

Akkulaufzeit:

Die Akkulaufzeit ist bei dem HR4 leider deutlich kürzer gewesen bei mir wie bei dem HR. So war nach 3-4 Tagen schon der Akku leer, wobei das HR mehr als doppelt so lange hielt. Vielleicht habe ich hier aber auch nur einen Montagsakku erhalten. Aufgeladen ist es am PC aber relativ flott in 1-2 Stunden.

Display:

Das Display ist schön groß für ein Trackingarmaband und lässt sich im Haus auch einwandfrei ablesen. ABER: Draußen kann man es komplett vergessen! Bei Tageslicht und besonders wenn die Sonne scheint, sieht man NICHTS und könnte meinen es ist aus. Das ist für mich ein großer Minuspunkt, weil ich beim Joggen oder einfach mal unterwegs nicht auf die Uhr schauen kann, um nach der Zeit oder dem Puls zu schauen geschweige denn eine Trainingseinheit zu starten und zu stoppen.

Fazit:

Leider bin ich im Gesamten nicht so ganz zufrieden mit der YAMAY HR4. Vom Design her sieht sie wirklich schick und gut verarbeitet aus. Bei den Funktionen gab es aber einige Schwächen. Die Bedienung ist zum Teil ein wenig umständlich, die Messergebnisse oft sehr ungenau und mit teilweise hohen Fehlerquoten. Die App ist vom optischen her eigentlich ganz schick und übersichtlich, hat aber einige Fehler und immer mal Probleme mit der Synchronisierung bei mir gehabt. Besonders bei Produkten aus China werden die Apps hier leider nie weiterentwickelt und man muss dann meistens mit den Fehlern, die vorhanden sind leben..Desweiteren ist die Akkulaufzeit deutlich geringer als zu anderen Fitnessarmbändern.

 

Gesamturteil: China Fitnesstracker –  eine günstige Alternative zu teuren Markenprodukten mit Schwächen in der Software

Auch hier gibt es große Unterschiede in der Qualität bei Produkten aus China und man muss aufpassen was man kauft. Ich hatte in meinem Test eigentlich zwei ähnliche Fitnesstracker, war nach ein paar Wochen dann aber doch überrascht über die Unterschiede. Der YAMAY HR hat mir im Gesamten für den Preis wirklich gut gefallen und auch die App macht soweit keinen schlechten Eindruck. Bei dem YAMAY HR4 hatte ich von der Hautverträglichkeit des Armbandes bis hin zur Erfassung fehlerhafter Messdaten und der nicht ganz so bugfreien Android App immer mal wieder Probleme gehabt und war am Ende nicht mehr so überzeugt.

Für Leute, die Fitnesstracker einfach mal ausprobieren wollen und es gelegentlich zum Schlaftracking oder Überwachen des Pulses beim Sport benutzen wollen, sind sie aber vollkommen ausreichend.

 

One Comment, RSS

  1. Jawbone Up Juni 1, 2018 @ 10:30 am

    Klasse! Endlich mal jemand der weiß wovon er redet! Toller Beitrag, Dankeschön! 🙂

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*